Ein Achsensprung ist ein Filmschnitt, mit dem die Beziehungssachse der Figuren oder Gruppen übersprungen wird. Blickachsen oder Beziehungsachsen zwischen den Akteuren untereinander oder dem Point of Interest des Protagonisten bilden eine gedachte Linie. Auf die Leinwand projiziert, stellt diese Linie eine "links-rechts-" und "oben-unten-Beziehung" zwischen den Akteuren dar. Unter Achsensprung bezeichnen wir einen Schnitt, bei dem sich dieses Verhältnis umkehrt. Wir unterscheiden zwischen Seitenachsensprung und dem Höhenachsensprung. Letzterer wird als weniger desorientiernd vom Zuschauer empfunden, da die Leinwand weniger hoch als breit ist. Ein Achsensprung kann beim Zuschauer Desorientierung verursachen, da die Anordnung und Blickrichtung der Akteure im Frame sich relativ zum Zuschauer zu verändern scheint.

 

Aktionsachse (Handlungsachse) ist die gedachte Linie, in deren Richtung sich die Handlung oder das Inertialsystem der Filmwelt bewegt. Bei einer Autofahrt zum Beispiel ist die Aktionsachse so stark, dass die Beziehungsachsen an Bedeutung verlieren. Die Orientierung bleibt trotz eventuellem Achsensprung bewahrt. Wenn man aus der Fahrerseite filmt, bewegt sich die Landschaft scheinbar von rechts nach links; filmt man aus der Beifahrerseite, bewegt sie sich scheinbar von links nach rechts. Diese Änderung der Bewegungsrichtung ist aber nicht irritierend. Analog werden zwei Autos, die bei einer Parallelmontage in die gleiche Richtung fahren (oft von links nach rechts, weil das unserer Leserichtung entspricht), als einander verfolgend wahrgenommen; wenn eines jedoch von links nach rechts und das andere von rechts nach links fährt, erwartet der Zuschauer einen Zusammenstoß.

Im Continuity Editing des klassischen Hollywoodkinos wird der Achsensprung als Fehler betrachtet und dementsprechend vermieden.

Der Grundsatz, Achsensprünge zu vermeiden, wird 180-Grad-Regel genannt.

© 2018 by akssprung

  • Facebook Classic